Weihnachtsgeschichte:
Heinz sucht das Christkind

Diese Geschichte handelt in der Stadt Luzern, vor ca. 30 Jahren.

24. Dezember, abends. Heinz, 9-jährig, sitzt mit seinen anderen zwei grösseren Schwestern erwartungsvoll im Kinderzimmer. Die Mutter hat sie angewiesen, sie müssten im Kinderzimmer bleiben, bis das Christkindchen den Tannenbaum geschmückt und die Päckchen gebracht habe.

Heinz sinniert ein bischen über das Christkind. Er hat ihm auch einen Brief geschrieben mit all seinen Weihnachtswünschen, wie jedes Jahr. Was würde das Christkindchen wohl dieses Jahr für ihn bringen. Und überhaupt würde er zu gerne einmal mit dem Christkindchen persönlich reden. Vielleicht könnte es ihm helfen. Er würde ihm erzählen, dass er manchmal furchtbare Angst hatte, wenn sich Mama und Papa wieder einmal stritten.

Ein helles Glockengeläut weckt Heinz von seinen Gedanken auf. Seine älteren Schwestern und er brechen in helle Begeisterung aus. Das Christkindchen hat geläutet! Jetzt dürfen sie das Zimmer verlassen. Endlich ist die Warterei vorbei - die Spannung aber wächst und wächst! "Oooooh!" ruft die Mutter von Heinz, "das Christkindchen ist jetzt gerade aus dem Fenster geflogen!" Heinz rennt zum Fenster. Sicher sieht er noch einen Flügelschlag oder einen Engel. Aber er sieht nur die Sterne. Er schaut sie etwas traurig an. "Oh Christkindchen", denkt er, "wieso bist du mir einfach davongeflogen?"

Jetzt singt die ganze Familie das Lied "Oh du fröhliche...". Heinz singt mit. Und dann, ja dann kommen die herrlichen Geschenke dran. an diesem Abend denkt Heinz keinen Augenblick mehr an seine Sehnsucht nach dem Christkind. All die schönen Überraschungen begeistern ihn zu fest.

Am Abend des 26. Dezembers ist die Sonntagsschulaufführung in der Kirche. Heinz spielt mit, ebenso sein Schulfreund Peter. Sie müssen wie die anderen Mitspieler vor ihren Eltern in der Kirche sein, um sich umzuziehen und noch die letzten Anweisungen der Sonntagsschulleiterin entgegenzunehmen. Auf dem weg zur Kirche unterhält sich Heinz mit seinem Schulfreund Peter. "Peter, hast du das Christkindchen einmal gesehen?", fragt Heinz. Peter lacht ihn aus: "Du glaubst aber doch nicht etwa noch an dieses Märchen?" Heinz entgegnet: "Nein, ähm, natürlich nicht." Für sich denkt er enttäuscht und unsicher: "Ist das Christkindchen wirklich nur ein Märchen?" Heinz erzählt niemandem von seiner Sehnsucht nach dem Christkindchen. Vielleicht besser nicht, denn man hätte ihn ganz bestimmt nur ausgelacht.

Nur eine Person ahnte etwas - seine Sonntagsschulleiterin. Ihr war es, dass Heinz etwas bedrückt dreinschaute, als sie die Kinder fragte, ob sie eine schöne Familienweihnacht hatten. Natürlich entgegneten ihr alle Kinder mit einem begeisterten "ja"! Nur Heinz blieb ruhig und etwas bedrückt. Frau Müller, die Sonntagsschulleiterin, nahm Heinz etwas auf die Seite und fragte ihn: "Heinz, du siehst etwas traurig aus. Hattest du gestern keinen schönen Weihnachtsabend?" Hein sagte: "Doch, doch, Frau Müller, aber ich hätte zu gerne einmal das Christkindchen gesehen. Aber es flog einfach davon. Ich hätte so gerne, dass es einmal zu mir ins Zimmer käme. Dann könnte ich ihm von meinen Sorgen und Freuden erzählen. Es würde mir sicher helfen und mir wertvolle Tips geben. Stimmt es, Frau Müller, dass das Christkindchen nur ein Märchen ist?"
Frau Müller lächelte und hiess Heinz sich setzen. "Hör zu", sagte sie, "das Christkindchen, das den Tannenbaum schmückt und die Geschenke für die Kinder bringt, ist wirklich nur ein Märchen. Aber das echte Christkindchen gibt es wirklich." Jetzt machte Heinz aber ganz grosse Ohren und schaute Frau Müller ganz erwartungsvoll an. Frau Müller fährt weiter: "Dieses Christkindchen wurde in der Weihnachtsnacht vor langer Zeit geboren. Es war kein normales Kind. Es ist der Sohn von Gott. Er heisst Jesus." "Das kenne ich!", sagt Heinz, "seine Geburt spielen wir doch heute abend, stimmt's?" "Ja, genau", antwortet Frau Müller mit einem Lächeln und fährt fort. "Jesus wurde grösser und als Er ein Mann war, erzählte Er allen Menschen von Gottes Liebe und Kraft. Er heilte Lahme und Blinde. Am Ende starb Er an einem Kreuz für alle Sünden von allen Menschen. Nach Seinem Tod ist Er dann auferstanden. Und jetzt, Heinz, wohnt Er im Himmel und - weisst du noch wo?" Heinz schüttelt den Kopf. "Er wohnt im Herzen all derer Menschen, die Ihn einladen." Jetzt steht Heinz vor Erregung auf. "Frau Müller, dann kann Er ja auch in mein Herz kommen!" ruft Heinz begeistert. "Richtig", sagt Frau Müller. "Schau hier in der Bibel sagt der Herr Jesus: Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen (und mit ihm essen, und er mit mir)" (Offb 3,20). Der Herr Jesus will in dein Herz kommen, Heinz, und dort will Er wohnen und bleiben." "Dann hilft Er mir auch, wenn ich Probleme habe?", fragt Heinz. "Richtig, du brauchst Ihm nur die Türe zu öffnen und Ihn zu bitten, dass Er dein Leben steuern darf. Willst du das jetzt tun?" Heinz nickt. "Also", sagt Frau Müller, "sage mir das folgende Gebet nach: 'Lieber Jesus, ich weiss, dass du der grösste Schatz bist. Bitte vergib mir alles, was ich falsches getan habe, und komm in mein Herz und in mein Leben. Mach mich zu einem Menschen, wie du ihn haben möchtest. Amen.'"

"Ist Er jetzt wirklich in meinem Herz", fragt Heinz. "Ja, Heinz, Er ist jetzt ganz bestimmt in deinem Herz, die Bibel verspricht dir das. Du kannst auch jederzeit mit Ihm reden, indem du betest. Du kannst jederzeit Seine Stimme hören, wenn du die Bibel liest. Du wirst sehen, Er macht aus deinem Leben etwas wunderbares!"
Heinz fühlt sich gut. Er hat soeben Weihnachten erlebt. Jesus ist gekommen - in sein Herz!

Beim Weihnachtsspiel an jenem Abend im Kirchgemeindehaus strahlte Heinz vor Freude. Seine Eltern bemerkten sein Strahlen sehr wohl. Sie mussten sich aber noch etwas gedulden, bis Heinz ihnen sein Geheimnis verratete.

Basel, Dezember 1997, Markus Brunner
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